Thomas Rößler

Mentor für Vermögen mit Sinn

Ein Abend im Gewandhaus – Mendelssohn-Festtage

Haydn, Mendelssohn, Brahms, Nelsons im Gewandhaus

Vorabend meines Geburtstags, viel um die Ohren – und genau deshalb der richtige Moment für einen Gewandhaus-Donnerstag. Haydn, Mendelssohn mit Seong-Jin Cho und danach Brahms’ 3. unter Andris Nelsons. Ein Abend, der Leichtigkeit, Nachdenklichkeit und Optimismus erstaunlich gut verband.

Ankommen – Haydn

Etwas verspätet, aber noch rechtzeitig auf den Plätzen. Das Haus fühlte sich ausverkauft an. Haydn (Es-Dur Hob. I:22 „Der Philosoph“) als heiterer Auftakt – ein helles, optimistisches Stück, das sofort Tempo aus meinem Tag nahm.

Mendelssohn – Seong-Jin Cho, Klavier

Im ersten Klavierkonzert g-Moll op. 25 gab Seong-Jin Cho eine bewegliche, klare, unprätentiöse Lesart – brillant, aber nie selbstverliebt. Die Klaviermusik öffnete mir einen Denk-Raum: Ich ließ die letzten Wochen Revue passieren, spielte Entscheidungen durch, schaute nach vorn. Nicht Abgelenktsein, eher ein kontrolliertes Abschweifen – die Musik als Ordnungssystem für Gedanken.

Ein stiller Augenblick im Foyer. Der Abend beginnt mit Ruhe – Haydn stimmt auf Leichtigkeit ein.

Pause – Begegnung & Stadtgeschichte

Riesling und Michaelis-Häppchen, dazu die zufällige Begegnung mit einem Freund, der eigentlich abgesagt hatte – ein schöner Überraschungsmoment.

Wir standen direkt vor dem Bild Mendelssohns, der von Leipzig aus in die Welt ging. Ein passendes Bild auch für unser Arbeiten: lokal verankert, nach außen gerichtet.

Vor dem Konzert: Zwischen Musik und Geschichte – Mendelssohn blickt von der Wand, das Programm in der Hand, ein Moment der Vorfreude.

Brahms – die Dritte unter Nelsons

Andris Nelsons wirkte sichtbar verändert: schlanker, beweglicher, näher am Orchester. Ohne Noten, ohne Podest, oft inmitten des Klangkörpers – manchmal, als umarme er das Orchester, manchmal schwebend darüber. Diese Leichtigkeit gab Brahms’ 3. Sinfonie op. 90 einen anderen Charakter als im Mai unter Gilbert: weniger monumental, mehr atmend, federnd, weit. Das machte mich – trotz voller Agenda – optimistisch und wach.

Andris Nelsons und das Gewandhausorchester nach Brahms’ Dritter – ein Dirigent, der mit seinem Klangkörper verschmilzt.

Nachklang

Ein kurzer Drink mit meiner Partnerin und einem guten Freund im Adina – und das Gefühl, gut gestimmt in den Geburtstag hinüberzugleiten. Musik als kleine Kurskorrektur: sie sortiert, hellt auf, öffnet den Blick.

Nach dem Konzert: Gespräche, Lachen, ein Glas. Musik klingt weiter – nur leiser.

PS / Bezug:

Mein Brahms-Text vom Mai („Brahms unter Gilbert“) knüpft schön an – hier bekam die Dritte eine andere, leichtere Farbe.

Hinweis zur Serie:

Dieser Beitrag ist Teil meiner Reihe „Ein Abend im Theater“.